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Profi · Kapitel 8 von 14

Lokaler Sprachassistent: Whisper & Piper

Alexa und Google Home hören mit – ein lokaler Sprachassistent nicht. So baust du mit dem Wyoming Protocol, Whisper und Piper einen vollständig privaten Sprachassistenten.

Lesezeit: ~5 MinAktualisiert 16. August 2026

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Das Wichtigste in Kürze

3 Kernaussagen für Schnellleser

Ein lokaler Sprachassistent mit Home Assistant, Whisper und Piper schickt keine Sprachaufnahmen in die Cloud – alles bleibt im Heimnetz. Pro Raum kostet ein Satellit (Pi Zero 2W + Mikrofon-HAT) ab ca. 30–35 €. Die Spracherkennungsgenauigkeit für Deutsch liegt mit Whisper bei 90–95 %.

  • Komplett privat: Lokaler Sprachassistent = kein Cloud-Zwang, kein Datenabfluss, keine Abo-Kosten. Audio-Daten verlassen nie dein Heimnetz.
  • Architektur: Satelliten (Mikrofon-Geräte in jedem Raum) + Server (Home Assistant mit KI-Modellen). Whisper für Speech-to-Text, Piper für Text-to-Speech, openWakeWord für Aktivierung – alles lokal.
  • Einstiegskosten: Ab ca. 30–35 € pro Raum (Pi Zero 2W + ReSpeaker HAT). Der HA-Server läuft idealerweise auf einem Pi 4 oder Mini-PC.

Wyoming Protocol: Die Architektur des lokalen Sprachassistenten

Das Wyoming Protocol ist ein offener Standard (von Nabu Casa initiiert, MIT-Lizenz), mit dem Home Assistant lokale Sprachassistenten aufbaut. Er definiert, wie Geräte wie Mikrofon-Satelliten mit dem HA-Server kommunizieren – unabhängig von Cloud-Diensten.

Wusstest du schon?

Cloud-Sprachassistenten wie Alexa oder Google Home verarbeiten Audio-Dateien auf US-Servern (Schrems-II-Risiko, Cloud Act). Lokale Verarbeitung mit Wyoming Protocol ist die einzige DSGVO-konforme Lösung für sensible Sprachdaten – deine Stimme bleibt im Heimnetz.

Architektur: Satellit und Server

Der lokale Sprachassistent besteht aus zwei Teilen: einem Satelliten (Mikrofon-Gerät in einem Raum) und einem Server (Home Assistant mit den KI-Modellen). Der Satellit erfasst Audio, sendet es per Wyoming Protocol an den Server, der es verarbeitet und die Antwort zurückschickt. Der Server braucht genug Rechenleistung für die KI-Modelle. Der Satellit kann ein sehr kleines Gerät sein.

Satelliten einrichten

Ein Raspberry Pi Zero 2W(öffnet in neuem Tab) mit einem ReSpeaker 2 Mics HAT(öffnet in neuem Tab) ist die günstigste Satellit-Option. Das HAT bringt zwei Mikrofone und einen Lautsprecher-Ausgang für unter 20 Euro. Du installierst Wyoming Satellite auf dem Pi Zero, konfigurierst die IP-Adresse des HA-Servers und verbindest das Gerät in der Home Assistant UI.

Pro-Tipp

Verwende für jeden Raum einen separaten Satelliten. So kann der Sprachassistent erkennen, in welchem Raum du sprichst, und Befehle kontextbezogen ausführen – "Licht aus" schaltet das Licht im Raum des Satelliten aus, der den Befehl empfangen hat.

Whisper: Speech-to-Text lokal und privat

Whisper ist das Open-Source-Spracherkennungs-Modell von OpenAI. Home Assistant hat ein offizielles Whisper Add-on, das das Modell lokal auf deinem Server ausführt. Deine Spracheingaben verlassen nie dein Heimnetz.

Modellgrößen und Genauigkeit

Whisper gibt es in verschiedenen Größen: tiny, base, small, medium, large. Die Größe beeinflusst Genauigkeit und Geschwindigkeit. Die Modellgröße muss zur Hardware passen: Pi 4 → tiny/base, Mini-PC ohne GPU → small, Mini-PC mit NVIDIA-GPU → medium/large, Server mit NVIDIA RTX 3060+ → large-v3 in Echtzeit.

tinyWhisper-Modell für Raspberry Pi 4 – schnell, ausreichend genau für klare Aussprache
3–5 sErkennungszeit für Whisper tiny auf einem Raspberry Pi 4 (5-Sek-Audio)
RTX 3060+Mit NVIDIA-GPU läuft large-v3 in ~1 Sekunde (5-Sek-Audio)

Wyoming Add-on für Whisper

Das Whisper-Add-on in Home Assistant läuft auf dem HA-Server, nicht auf dem Satelliten. Du wählst Modell, Sprache und Gerät. Für Deutsch empfiehlt sich mindestens das base-Modell. Ein Raspberry Pi 4(öffnet in neuem Tab) mit 4 GB RAM schafft small mit akzeptabler Latenz. Für bessere Ergebnisse empfiehlt sich ein Mini-PC.

Das Wesentliche in Kürze

Lokaler Sprachassistent = Wyoming Protocol als Brücke + Whisper für Spracherkennung + Piper für Antwort-Sprache. Komplett privat, kein Cloud-Zwang. Einstieg in Sprachassistenten: der Einsteiger-Guide.

Piper: Text-to-Speech mit natürlicher Stimme

Piper ist ein Community-Open-Source-TTS-Modell (rhasspy/piper auf GitHub), das von Home Assistant offiziell als Add-on integriert wird. Es wandelt die Antwort des Assistenten in natürlich klingende Sprache um – ohne Cloud-API.

Für Deutsch gibt es mehrere Piper-Stimmen mit unterschiedlichen Charakteren. Piper-Modelle werden nach Architektur benannt (z.B. de_DE-thorsten-medium oder de_DE-thorsten-high). High-Quality-Modelle klingen deutlich natürlicher und brauchen auf einem Pi 4 ca. 2–3 Sekunden Synthesezeit. Installiere das Piper Add-on in Home Assistant und konfiguriere die gewünschte Stimme. Die Antwort wird synthetisiert und an den Satelliten zurückgeschickt, der sie über den angeschlossenen Lautsprecher ausgibt.

Pro-Tipp

Piper-Stimmen klingen auf niedrigen Qualitätsstufen roboterhaft. Verwende mindestens das -medium-Modell deiner Sprache (z.B. de_DE-thorsten-medium). Das -high-Modell klingt deutlich natürlicher – der Mehraufwand auf einem Pi 4 beträgt nur 2–3 Sekunden Synthesezeit.

Wake-Word: Sprachassistent aktivieren

Der Satellit hört dauerhaft auf ein Wake-Word (Aktivierungswort). Erst wenn das Wake-Word erkannt wird, beginnt die Aufnahme und Übertragung an den Server. So läuft keine kontinuierliche Sprachübertragung.

openWakeWord

openWakeWord ist die Standard-Wake-Word-Engine in Home Assistant. Sie erkennt vordefinierte Wake-Words wie "Hey Jarvis" oder "Hey Nabu". Das Modell läuft direkt auf dem Satelliten – der Server muss dafür nicht belastet werden. Für ESP32-basierte Satelliten ist die schlankere microWakeWord-Engine empfohlen, da openWakeWord auf sehr kleinen Geräten die CPU erheblich belastet.

Eigene Wake-Words trainieren

Mit openWakeWord kannst du auch eigene Wake-Words trainieren. Du brauchst ca. 500–1000 Audioaufnahmen des Wake-Words aus verschiedenen Situationen (Abstand, Hintergrundgeräusche, verschiedene Sprecher). Das Training dauert mehrere Stunden auf einem Pi 4 oder besser.

Wusstest du schon?

Wake-Word-Erkennung ist der technisch schwierigste Teil des lokalen Sprachassistenten. Falsch-Positive (Aktivierung ohne Wake-Word) sind ärgerlich, verpasste Aktivierungen frustrierend. Platziere den Satelliten gut (freie Sicht, nicht hinter Möbeln) und kalibriere die Empfindlichkeit.

Hardware-Satelliten: Die wichtigsten Optionen

Hier sind drei bewährte Satellit-Optionen für verschiedene Budgets und Anforderungen:

Raspberry Pi Zero 2W mit ReSpeaker HAT

Der günstigste Satellit: Raspberry Pi Zero 2W(öffnet in neuem Tab) (15 Euro) und ReSpeaker 2 Mics HAT(öffnet in neuem Tab) (12 Euro). Total ca. 30–35 Euro mit Netzteil und SD-Karte. Der Pi Zero 2W ist klein genug für die Wand-Montage. Die Mikrofon-Qualität ist ausreichend für normale Wohnräume.

ESP32-S3-Box 3(öffnet in neuem Tab)

Die ESP32-S3-Box 3 von Espressif ist ein kompakter Satellit mit Display, Mikrofon-Array und Lautsprecher in einem Gehäuse. ESPHome-Unterstützung ist eingebaut. Das Display kann Wetterdaten, Uhrzeit oder den aktuellen Status des Assistenten anzeigen. Für ca. 40–50 € ein komplettes, kompaktes Paket ohne Löten.

Home Assistant Voice Preview Edition

Die Home Assistant Voice Preview Edition(öffnet in neuem Tab) (PE) ist der offizielle Satellit von Nabu Casa. Sie ist optimiert für Wyoming Protocol und HA Assist – Plug-and-Play ohne Konfiguration. Das Design ist auf Desktop-Aufstellung ausgelegt. Die PE ist die einfachste Option, kostet aber mehr als die DIY-Varianten.

15 €Preis Raspberry Pi Zero 2W – günstigste Satelliten-Basis
40–50 €Preis ESP32-S3-Box 3 – komplett mit Display, Mikrofon und Lautsprecher
0 €/MonatCloud-Kosten für lokalen Sprachassistenten – komplett kostenlos nach Einrichtung

Fazit: Lohnt sich der Aufwand?

Ein lokaler Sprachassistent ist die einzige DSGVO-konforme Alternative zu Cloud-Assistenten. Wyoming Protocol, Whisper und Piper sind ausgereift genug für den Alltag – mit einem Pi 4 als Server und Pi Zero 2W als Satellit bekommst du für ca. 80–100 € ein vollständig privates System. Der Einrichtungsaufwand ist höher als bei Alexa, die Kontrolle über deine Sprachdaten dafür vollständig.

Häufig gestellte Fragen

Brauche ich zwingend eine GPU für einen lokalen Sprachassistenten?
Nein. Ein Raspberry Pi 4 mit 4 GB RAM reicht für Whisper tiny/base und Piper aus. Die Spracherkennung dauert dann 3–5 Sekunden statt unter 1 Sekunde, ist aber für den Alltag ausreichend. Eine NVIDIA-GPU (ab RTX 3060) ist nur nötig, wenn du Whisper large-v3 in nahezu Echtzeit nutzen möchtest.
Funktioniert Wake-Word-Erkennung zuverlässig auf einem Pi Zero 2W?
Ja, openWakeWord läuft auf dem Pi Zero 2W, belastet aber die CPU erheblich. Für ESP32-basierte Satelliten wie die ESP32-S3-Box 3 ist die schlankere microWakeWord-Engine empfohlen. Die Falsch-Positiv-Rate hängt stark von der Platzierung und Kalibrierung ab – gute Position (freie Sicht, ruhige Umgebung) ist entscheidender als das Gerät selbst.
Welche Sprachen unterstützen Whisper und Piper?
Whisper unterstützt über 90 Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch und viele weitere funktionieren zuverlässig. Piper hat für Deutsch mehrere hochwertige Stimmen (z.B. de_DE-thorsten-high). Für andere Sprachen gibt es meist mindestens ein Medium-Quality-Modell auf der offiziellen Piper-Seite.
Wie viele Satelliten kann ein HA-Server gleichzeitig verwalten?
Ein Raspberry Pi 4 mit Whisper tiny schafft 1–2 gleichzeitige Anfragen komfortabel. Bei mehr Satelliten oder schnellerer Reaktion empfiehlt sich ein Mini-PC. Gleichzeitige Anfragen sind im Alltag selten – in der Praxis reicht ein Pi 4 für 5–10 Satelliten in einem Haushalt.
Lohnt sich die Home Assistant Voice PE gegenüber der DIY-Variante?
Die Voice PE ist die einfachste Option: Plug-and-Play ohne Konfiguration, optimiert für Wyoming Protocol. Der Preis liegt über der DIY-Variante (Pi Zero 2W + ReSpeaker HAT: ~30–35 €). Wenn du keine Zeit für Konfiguration investieren möchtest, ist die PE es wert. Für mehrere Räume ist die DIY-Variante deutlich günstiger.