
Einsteiger · Kapitel 7 von 8
Wärmepumpe mit PV-Überschuss: SG-Ready
Wenn die Sonne mehr Strom produziert als du verbrauchst, kannst du den Überschuss sinnvoll nutzen: Die Wärmepumpe heizt auf Vorrat. Der Schlüssel heißt SG-Ready.
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Das Wichtigste in Kürze
3 Kernaussagen für Schnellleser
SG-Ready ist eine 2-Draht-Schnittstelle, mit der du (oder dein Netzbetreiber) deine Wärmepumpe in vier Betriebsstufen regeln kannst – von EVU-Sperre bis Überschuss-Boost. Mit einem Shelly Plus 1PM als Relais und Home Assistant als Schaltzentrale kostet die Nachrüstung unter 30 € und amortisiert sich durch günstigeren Heizstrom in einer Heizsaison. Voraussetzung: deine Wärmepumpe hat den SG-Ready-Eingang (typisch ab Modelljahr 2018/2019).
- SG Ready ist eine einfache 2-Bit-Schnittstelle: vier Zustände von Sperrzeit bis Boost-Betrieb.
- Mit einem Shelly-Relais oder einem PV-Manager kannst du SG Ready auch ohne teure Steuerung ansteuern.
- Der Trick: Billigen PV-Überschuss in Wärme wandeln – die Wärmepumpe als thermischer Puffer.
Was SG-Ready ist und warum es wichtig ist
SG-Ready steht für „Smart Grid Ready" – eine deutsche Norm für Wärmepumpen, die besagt: Diese Wärmepumpe kann von außen über zwei Signalleitungen gesteuert werden. Mit nur 2 Bit (zwei Drähten, an oder aus) kodierst du vier verschiedene Betriebsmodi. Die Schreibweise im Standard: „Eingang = 1" bedeutet „Kontakt geschlossen" (potenzialfreier Kontakt aktiviert).
Die folgenden Zuordnungen entsprechen der BWP-Schnittstelle 1.0 (= Bundesverband Wärmepumpe e. V.):
| Eingang 1 (E1) | Eingang 2 (E2) | BWP-Zustand | PV-/Anwendungsbedeutung |
|---|---|---|---|
| 1 (geschlossen) | 0 (offen) | EVU-Sperre | Netzbetreiber sperrt (max. 2 h „harte" Sperrzeit, max. 3× pro Tag – Pufferspeicher fängt die Heizphase ab) |
| 0 (offen) | 0 (offen) | Normalbetrieb | Energieeffizienter Standardbetrieb mit anteiliger Wärmespeicher-Vorrang-Füllung für die EVU-Sperre |
| 0 (offen) | 1 (geschlossen) | Einschaltempfehlung | PV-Überschuss → WP soll mehr heizen und Warmwasserbereitung bevorzugen (Boost-Empfehlung, kein Pflichtstart) |
| 1 (geschlossen) | 1 (geschlossen) | Anlaufbefehl | Definitive Anforderung, den Verdichter (und ggf. elektrische Zusatzheizung) zu starten und Speichertemperaturen anzuheben |
Wusstest du schon?
SG-Ready ist keine Pflicht, aber viele Wärmepumpen moderner Bauart (ab Modelljahr 2018/2019) haben den SG-Ready-Eingang bereits. Sieh im Handbuch deiner Wärmepumpe nach oder frag deinen Installateur – es lohnt sich.
Umsetzung mit Shelly und Home Assistant
Mit einem Shelly Plus 1 (oder zwei davon) kannst du die SG-Ready-Eingänge deiner Wärmepumpe schalten:
- PV-Überschuss messen: Home Assistant liest deinen Einspeise-Zähler (z. B. Shelly Pro 3EM(öffnet in neuem Tab) am Zählerkasten) oder die PV-Anlage direkt über eine Integration (Fronius, SMA, Huawei Solar, etc.).
- Schwellwert-Automatisierung erstellen: Wenn Einspeisung > 2 kW für ≥ 20 Minuten → SG-Ready-Zustand 4 aktivieren (beide Relais schließen, Anlaufbefehl). Bei kleinerem Überschuss (≥ 500 W) reicht Zustand 3 (Einschaltempfehlung, nur E2 schließen). Rückfall auf Zustand 2 (Normalbetrieb, beide Kontakte öffnen), wenn Einspeisung < 500 W für ≥ 10 Minuten (Hysterese verhindert Flackern bei kurzen Lastspitzen durch Kühlschrank oder Herd).
- Shelly-Relais anklemmen: Die Shelly-Relaisausgänge werden an die SG-Ready-Klemmen der Wärmepumpe angeschlossen. Das ist eine Kleinspannung (potenzialfreier Kontakt) – keine 230-V-Arbeit, aber trotzdem: Vor dem Anschließen Wärmepumpe spannungsfrei schalten und Handbuch lesen.
- In HA Relais als Schalter konfigurieren: Shelly erscheint automatisch in HA. Gib den Entitäten sprechende Namen (z. B.
switch.sg_ready_eingang_1). - Automatisierung testen: Modus manuell in HA testen, bevor du die PV-Logik aktivierst – prüfe, ob die Wärmepumpe tatsächlich in den erwarteten Betriebsmodus wechselt.
Pro-Tipp
Kombiniere SG-Ready mit einem Warmwasserspeicher: Im Überschussmodus heizt die Wärmepumpe das Warmwasser auf 55–60 °C auf und speichert den PV-Strom thermisch. Das ist die günstigste „Batterie" für Solarstrom-Überschuss – kein teurer Stromspeicher nötig. Plane monatlich einen separaten Anti-Legionellen-Impuls auf 65 °C ein (DVGW W 551), der unabhängig von der PV-Logik läuft.
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§ 14a EnWG: Netzdienliche Steuerung und Netzentgelt-Vorteil
Seit dem 01.01.2024 sind Wärmepumpen als steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG verpflichtend netzdienlich steuerbar (BNetzA-Festlegung BK6-22-300). Das klingt nach Einschränkung, ist aber ein Deal: Dein Netzbetreiber darf die Leistung deiner Wärmepumpe in Schwachlastzeiten auf bis zu 4,2 kW Mindestleistung (leistungsmäßige Aufgreifschwelle) reduzieren (BNetzA BK6-22-300) – dafür sparst du dauerhaft reduzierte Netzentgelte (modellabhängig, in der Praxis bis zu ~150 €/Jahr).
Was das praktisch bedeutet:
- Du brauchst einen Smart Meter (modernen Messstellenbetrieb) oder ein angemeldetes Steuergerät
- Dein Netzbetreiber greift höchstens in Netzspitzen ein – im Alltag merkst du nichts
- SG-Ready und § 14a ergänzen sich: SG-Ready steuert PV-Überschuss-Logik, § 14a regelt Netzdienstleistungen
Mehr zum Smart Meter findest du im Artikel Smart-Meter-Pflicht erklärt.
Alternativen ohne SG-Ready: EEBus, MyPV und direkte Protokolle
Viele moderne Wärmepumpen (Stiebel Eltron CAN-bus, Viessmann Vitotronic, Bosch Compress, Daikin Altherma) sprechen herstellereigene Protokolle oder EEBus – ein offener Standard für Energiemanagement-Systeme. Mit Geräten wie dem Sunny Home Manager (SMA) oder myPV AC•THOR kannst du solche Wärmepumpen direkt ohne SG-Ready-Relais-Bastelei ansteuern.
Wenn deine Wärmepumpe ein solches Protokoll unterstützt, ist der direkte Weg oft präziser als SG-Ready – prüfe das Handbuch deiner WP unter „Energiemanagement-Integration" oder „EEBus". Mehr dazu im Artikel PV-Anlage & Smart Home.
Heizstab: die einfachere Alternative für Warmwasser
Wenn deine Wärmepumpe kein SG-Ready hat – oder wenn du den Überschuss nur für Warmwasser nutzen willst – ist ein Heizstab im Warmwasserspeicher oft die einfachste Lösung:
Ein Heizstab (Tauchsieder) wandelt Strom direkt in Wärme um und lässt sich per Shelly-Relais ein- und ausschalten. Keine Wärmepumpen-Protokolle, keine SG-Ready-Klemmen – nur ein Schaltausgang.
Der Nachteil: Ein Heizstab hat einen COP (Wirkungsgrad) von 1,0 – er macht aus 1 kWh Strom genau 1 kWh Wärme. Eine Wärmepumpe hat typischerweise COP 2,5–4,5 – sie macht aus 1 kWh Strom 2,5 bis 4,5 kWh Wärme, indem sie Umgebungswärme nutzt.
COP vs. Direktheizung: Wann lohnt welcher Weg?
Wenn PV-Überschuss kostenlos zur Verfügung steht (du ihn sonst verschenken würdest), ist der COP-Unterschied zweitrangig: Ob Heizstab oder Wärmepumpe – du nutzt Strom, der sonst ungenutzt bliebe.
Wenn du hingegen Strom kaufen müsstest (z. B. Tibber-Tarif mit dynamischen Preisen), ist die Wärmepumpe per SG-Ready deutlich wirtschaftlicher – 1 kWh Strom für 4 kWh Wärme schlägt 1:1 deutlich.
Die Faustregel: PV-Überschuss → Heizstab reicht oft. Günstige Stromtarife und steuerbare Last → Wärmepumpe per SG-Ready lohnt sich mehr.
Häufige Fragen zu SG-Ready und PV-Überschuss
Brauche ich zwingend eine PV-Anlage für SG-Ready?
Was kostet die Shelly-Nachrüstung?
SG-Ready vs. §14a EnWG – was ist der Unterschied?
Welche Wärmepumpen unterstützen SG-Ready?
Funktioniert SG-Ready auch ohne Cloud?
Was passiert bei Netzausfall oder HA-Neustart?
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