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Einsteiger · Kapitel 8 von 8

Heizkurve mit Shelly & Home Assistant

Eine Wärmepumpe oder Gastherme heizt effizienter, wenn die Vorlauftemperatur automatisch an die Außentemperatur angepasst wird. So setzt du das mit Shelly und Home Assistant um.

Lesezeit: ~5 MinAktualisiert 16. August 2026

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Das Wichtigste in Kürze

3 Kernaussagen für Schnellleser

Eine witterungsgeführte Heizkurve passt die Vorlauftemperatur automatisch an die Außentemperatur an – keine manuelle Einstellung mehr nötig. Mit Home Assistant, einem Außentemperatur-Sensor und einem Zigbee- oder Shelly-Thermostat ist das in unter einer Stunde eingerichtet. Anwesenheitserkennung als Bedingung verhindert, dass die Heizung läuft, wenn niemand zu Hause ist.

  • Eine Heizkurve in Home Assistant passt die Vorlauftemperatur automatisch an die Außentemperatur an.
  • Mit Shelly TRV oder Zigbee-Thermostaten als Eingangsgröße reicht ein einfacher Home-Assistant-Helfer.
  • Anwesenheitserkennung verhindert, dass die Heizung läuft, wenn niemand zu Hause ist – einfachstes Sparpotenzial.

Was eine Heizkurve ist – und warum sie hilft

Die Heizkurve passt die Vorlauftemperatur deiner Heizung automatisch an die Außentemperatur an. Je kälter draußen, desto wärmer das Heizwasser. Das spart 5–15 % Heizenergie gegenüber einer zu steil oder zu hoch eingestellten Kennlinie – bei Wärmepumpen sogar noch mehr, weil deren Effizienz (COP) stark von niedrigen Vorlauftemperaturen abhängt. Die Umsetzung mit Shelly und Home Assistant läuft vollständig lokal, ohne Cloud-Dienst.

Nach GEG § 61 müssen Zentralheizungen witterungs- bzw. zeitabhängig regeln – moderne Gas-Brennwertgeräte und Wärmepumpen bringen deshalb ab Werk eine Heizkurve mit. Trotzdem läuft bei vielen älteren oder schlecht eingestellten Anlagen die Vorlauftemperatur faktisch zu hoch oder zu starr: Bei mildem Wetter wird unnötig viel geheizt; bei starker Kälte reicht es manchmal trotzdem nicht. Genau dort greifen Shelly- und Home-Assistant-Automatisierungen: Kennlinie nachjustieren, Nachtabsenkung, Anwesenheitssteuerung.

5–15 %Heizenergie-Ersparnis durch wettergeführte VorlauftemperaturVerbraucherzentrale
AnwesenheitHeizung absenken, wenn niemand zu Hause ist
LokalAlles läuft in Home Assistant, kein Cloud-Dienst nötig

Was du brauchst

  • Home Assistant (bereits installiert und laufend)
  • Einen Außentemperatursensor – entweder über die integrierte weather-Integration (nutzt Standort-Wetterdaten, keine eigene Hardware nötig; dabei wird dein ungefährer Standort an den Wetterdienst übermittelt) oder einen physischen Zigbee-Sensor an einem schattigen, wettergeschützten Platz auf der Nordseite
  • Einen Shelly-Aktor am Kessel oder Heizungsregler (Shelly Plus 1PM(öffnet in neuem Tab)) – oder direkten Zugriff auf die Heizungssteuerung per Integration (z. B. Modbus bei Wärmepumpen, erklärt im Artikel Wärmepumpe & Smart Home)
  • Zugang zum Kessel oder der Heizungsanlage – dieser Eingriff sollte von einer Fachkraft begleitet oder genehmigt werden

Pro-Tipp

Wenn deine Heizanlage eine eigene Smart-Home-Schnittstelle hat (z. B. Viessmann ViCare, Vaillant sensoNET, Wolf SmartSet), nutze zuerst die offizielle Home-Assistant-Integration statt eines Shelly-Relais. Das ist sauberer und vermeidet Hardware-Eingriffe am Kessel.

Das Wichtigste hast du jetzt!

Du weißt nun, was eine Heizkurve bewirkt und was du dafür brauchst. Damit kannst du einschätzen, ob das Projekt zu deiner Anlage passt. Die genauen Schritte und Praxistipps – inklusive dem Automatisierungs-Code – liest du darunter.

Sicherheit zuerst: Eingriff an der Heizungsanlage

Bevor du einen Shelly an deinem Heizkessel anschließt, beachte diese Punkte:

  • Spannungsfreiheit: Schalte die Anlage vor Arbeiten aus und sichere sie gegen Wiedereinschalten.
  • FI-Schutzschalter: Prüfe, ob der Anschlusskreis durch einen FI-Schutzschalter (RCD) abgesichert ist.
  • Steuerleitungen vs. 230 V: Der Shelly Plus 1 und Shelly Plus 1PM sind für 230-V-Steuerleitungen geeignet, sofern die Leitungsspannung innerhalb der Gerätespezifikation liegt. Bei potentialfreien Steuerkreisen (z. B. Brennerfreigabe über Niederspannung) brauchst du ein passendes Relais – kläre das vorab mit deinem Heizungsbauer.
  • Failsafe-Verhalten: Lege fest, was beim Signalausfall passiert – fällt der Shelly auf den letzten Schaltzustand oder auf „offen" zurück? Konfiguriere das in den Shelly-Geräteeinstellungen, bevor du die Automatisierung aktivierst.

So baust du die Automatisierung auf

  1. Außentemperatur in HA verfügbar machen: Entweder über die integrierte weather-Integration (keine Hardware) oder einen physischen Zigbee-Sensor an einem schattigen, wettergeschützten Platz auf der Nordseite.

  2. Vorlauftemperatur-Sensor oder Klima-Entität einrichten: Eine „Klima-Entität" ist das Objekt in Home Assistant, das deine Heizungssteuerung repräsentiert – ähnlich wie ein digitales Thermostat in der App. Wenn deine Heizung eine HA-Integration hat, ist diese Entität schon vorhanden. Sonst: Shelly-Temperatursensor am Vorlaufrohr anbringen (Achtung: Installation an der Heizanlage – ggf. Fachkraft hinzuziehen).

  3. Template-Sensor für die Solltemperatur anlegen: In configuration.yaml oder als Helper. Verwende die Formel, die zu deiner Heizungsart passt:

    Gastherme / Heizkörper (Vorlauf typisch 35–55 °C):

    template:
      - sensor:
          name: "Heizkurve Solltemperatur"
          unit_of_measurement: "°C"
          state: >
            {% set t_aussen = states('sensor.aussentemperatur') | float(10) %}
            {% set t_vorlauf = [55, [35, (55 - (t_aussen + 15) * 0.8) | round(1)] | max] | min %}
            {{ t_vorlauf }}
    

    Wärmepumpe (Vorlauf typisch 28–45 °C – je niedriger, desto effizienter):

    template:
      - sensor:
          name: "Heizkurve Solltemperatur WP"
          unit_of_measurement: "°C"
          state: >
            {% set t_aussen = states('sensor.aussentemperatur') | float(10) %}
            {% set t_vorlauf = [45, [28, (40 - (t_aussen + 15) * 0.5) | round(1)] | max] | min %}
            {{ t_vorlauf }}
    
  4. Automatisierung erstellen: Wenn sich der Template-Sensor ändert, sende den neuen Sollwert an die Klima-Entität:

    action:
      - service: climate.set_temperature
        target:
          entity_id: climate.heizung
        data:
          temperature: "{{ states('sensor.heizkurve_solltemperatur') | float }}"
    
  5. Anwesenheit kombinieren: Ergänze eine Bedingung: Wenn person.ich den Status not_home hat, setze die Temperatur auf einen Absenk-Sollwert (z. B. 16 °C) statt auf die Heizkurven-Temperatur.

Wusstest du schon?

Die Formel im Template-Sensor ist ein linearer Ansatz, der für viele Häuser gut passt. Wenn dein Haus sehr gut gedämmt ist oder eine Fußbodenheizung hat, musst du die Koeffizienten anpassen – starte mit diesen Werten und beobachte eine Woche lang.

Praxistipps für die Umsetzung

  • Langsam anpassen: Verändere die Heizkurve nie abrupt, sondern in kleinen Schritten (2–3 °C). Heizkörper und Fußbodenheizungen reagieren träge – Überreaktionen führen zu Überhitzung und danach zu Ausfall.

  • Nachtabsenkung einbauen: Zwischen 22:00 und 06:00 Uhr Vorlauf um 3–5 °C absenken. Das ist die einfachste Einzel-Optimierung mit messbarem Effekt.

  • Logbuch führen: Home Assistant Recorder protokolliert Vorlauftemperatur und Außentemperatur automatisch. Nach zwei Wochen siehst du in der Energie-Ansicht, ob die Kurve passt.

  • Failsafe-Verhalten prüfen: Stelle sicher, dass beim Ausfall der Automatisierung keine kritischen Zustände entstehen – konfiguriere das Shelly-Gerät entsprechend und teste den Ausfallfall bewusst.

    Pro-Tipp

    Du kannst die Heizkurven-Automatisierung zunächst im Beobachtungsmodus laufen lassen: Template-Sensor aktiv, aber noch keine Aktion, nur ein Logbuch. So siehst du, was das System getan hätte – ohne in die laufende Anlage einzugreifen. Erst wenn die Werte plausibel aussehen, aktivierst du die Aktion.

Diese Lösung verbindet lokale Intelligenz mit echter Heizungsoptimierung. Sie ist aufwändiger als das Aufstecken eines smarten Thermostats – aber für alle, die ohnehin mit Home Assistant arbeiten, eine natürliche Erweiterung des Systems. Weiterführende Schritte findest du in den Artikeln Erste Automatisierung in HA und Smarte Heizung im Überblick.

Häufig gestellte Fragen

Brauche ich einen Shelly, um eine Heizkurve einzurichten?
Nicht unbedingt. Wenn deine Heizungsanlage eine eigene Smart-Home-Schnittstelle hat (z. B. Viessmann ViCare, Vaillant sensoNET), kannst du sie direkt per Home-Assistant-Integration steuern – ganz ohne Shelly. Der Shelly-Weg ist nur nötig, wenn deine Heizung keine digitale Schnittstelle besitzt.
Was ist der Unterschied zwischen Gastherme und Wärmepumpe bei der Heizkurve?
Gastherme und Wärmepumpe verwenden unterschiedliche Vorlauftemperaturen. Eine Gastherme arbeitet typisch mit 35–55 °C. Eine Wärmepumpe ist am effizientesten bei 28–45 °C – je niedriger der Vorlauf, desto besser der COP (Effizienzwert). Deshalb brauchst du für jede Heizungsart eine eigene angepasste Formel.
Muss ich bei diesem Projekt einen Elektriker hinzuziehen?
Wenn du einen Shelly an der 230-V-Steuerleitung des Kessels anschließt, ja – oder zumindest deinen Heizungsbauer. Lass dir vorab bestätigen, welcher Eingang am Kessel für externe Steuerung vorgesehen ist, und prüfe das Failsafe-Verhalten bei Signalausfall.
Funktioniert das auch ohne eigenen Außentemperatursensor?
Ja. Die weather-Integration in Home Assistant nutzt Standort-Wetterdaten ohne eigene Hardware. Beachte: Dabei wird dein ungefährer Standort an einen externen Wetterdienst übermittelt. Wer das vermeiden möchte, setzt einen eigenen Zigbee-Temperatursensor am Haus ein.
Wie lange dauert es, bis ich Ergebnisse sehe?
Die Automatisierung arbeitet sofort, aber Heizkörper und Fußbodenheizungen reagieren träge. Sinnvolle Auswertungen bekommst du nach einer bis zwei Wochen im Home-Assistant-Energiedashboard.