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Einsteiger · Kapitel 3 von 5

Filamente erklärt: PLA, PETG, ABS & Co.

Welches Filament für welchen Zweck? Ein ehrlicher Vergleich der fünf wichtigsten Kunststoffe – mit klarer Empfehlung für Smart-Home-Gehäuse.

Lesezeit: ~5 MinAktualisiert 16. August 2026

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Das Wichtigste in Kürze

3 Kernaussagen für Schnellleser

Für Smart-Home-Gehäuse in Innenräumen ist PETG die beste Wahl: hitzestabil bis 80–85 °C, schlagfest und einfach zu drucken. Für Prototypen und Innen-Sensoren reicht günstiges PLA+. Für UV-exponierte Außen-Sensoren ist ASA die einzige sinnvolle Option – ABS und TPU brauchen die wenigsten Projekte.

  • Für Smart-Home-Gehäuse in Innenräumen ist PETG die beste Wahl: hitzestabil bis 80–85 °C, schlagfest und einfach zu drucken.
  • Für Prototypen und Innen-Sensoren reicht günstiges PLA+.
  • Für UV-exponierte Außen-Sensoren ist ASA die einzige sinnvolle Option – ABS und TPU brauchen die wenigsten Projekte.

Was ist Filament – und warum ist die Wahl wichtig?

Filament ist der Rohstoff des 3D-Drucks: ein dünner Kunststoffdraht (meist 1,75 mm), der aufgerollt auf einer Spule geliefert wird. Der Drucker schmilzt ihn auf und trägt ihn Schicht für Schicht auf. Je nach Kunststofftyp unterscheiden sich Drucktemperatur, Flexibilität, Hitzebeständigkeit und Schwierigkeit erheblich.

Für Smart-Home-Gehäuse interessieren dich vor allem: Wärmebeständigkeit, Stabilität und ob der Druck ohne Enclosure gelingt.

Wusstest du schon?

Viele Kunststoffe (besonders Nylon und ABS) sind hygroskopisch – sie ziehen Luftfeuchtigkeit an. Feuchtes Filament erzeugt Blasen und schwächere Schichten. Bewahrst du Filament im Trockenschrank oder vakuumverpackt auf, verlängert das die Haltbarkeit deutlich.

PLA – Das Einsteiger-Filament

PLA (Polylactic Acid, = biologisch abbaubarer Kunststoff aus Maisstärke) ist das einsteigerfreundlichste Filament überhaupt. Es druckt bei niedrigen Temperaturen, haftet gut aufs Bett und verzieht sich kaum. Ideal für den Start:

  • Drucktemperatur: 195 – 220 °C
  • Betttemperatur: 0 – 60 °C (kein beheiztes Bett nötig)
  • Hitzebeständigkeit: Nur bis ca. 60 °C (im Auto im Sommer problematisch)
  • Besonderheit: Biologisch abbaubar (unter industriellen Kompostierbedingungen)

Pro-Tipp

Nimm PLA+(öffnet in neuem Tab) statt normalem PLA. PLA+ (oder auch PLA Pro) ist etwas zäher und schlagfester bei ähnlichem Preis. Die Marken Bambu, eSUN und Polymaker bieten solide PLA+-Qualität zu fairen Preisen.

PETG – Das Allroundmaterial für Smart Home

PETG (Polyethylenterephthalat Glycol-modifiziert, = schlagfester Polyester-Kunststoff) ist das empfohlene Filament für Smart-Home-Gehäuse. Es ist stabiler als PLA, hält mehr Hitze aus und ist wasserbeständig:

  • Drucktemperatur: 230 – 250 °C
  • Betttemperatur: 70 – 90 °C (beheiztes Bett nötig)
  • Hitzebeständigkeit: bis ca. 80 – 85 °C (überlebt den Verteilerkasten)
  • Besonderheit: Klar druckbar (transparent oder halbtransparent möglich), kaum Warping

Wenn du nur ein Filament kaufst, kaufe PETG(öffnet in neuem Tab). Es vereint Einsteigerfreundlichkeit mit guten mechanischen Eigenschaften und ist für 90 % aller Smart-Home-Projekte die richtige Wahl. PLA+ nimmst du für Prototypen und Anwendungen ohne Hitzebelastung.

Das Wichtigste hast du jetzt!

Kurz gesagt: PLA+ für den Einstieg und Prototypen, PETG für alle Smart-Home-Gehäuse. Das deckt 95 % aller Projekte ab. Welchen Drucker du dazu brauchst, liest du als Nächstes. ABS, ASA, TPU, die Vergleichstabelle und unsere Empfehlung für spezielle Anwendungen folgen darunter.

ABS – Der alte Standard mit Schwächen

ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol, = klassischer technischer Kunststoff, z. B. für Lego-Steine) war lange der Standard für technische Teile. Heute nur noch nötig, wenn du explizit ABS-Eigenschaften brauchst:

  • Drucktemperatur: 240 – 260 °C
  • Betttemperatur: 90 – 110 °C
  • Hitzebeständigkeit: bis ca. 100 °C
  • Schwierigkeit: Stark warping-anfällig, riecht intensiv beim Drucken, braucht Enclosure

Pro-Tipp

Drucke mit ABS und ASA unbedingt in belüfteten Räumen oder mit einer Enclosure mit Aktivkohlefilter – beide Materialien setzen beim Drucken flüchtige organische Verbindungen (VOCs) frei. Details zur sicheren Aufstellung findest du im Artikel 3D-Druck Sicherheit. Für die meisten ABS-Anwendungen ist ASA die bessere Wahl: gleiche Hitzebeständigkeit, UV-stabil, weniger Warping.

ASA – ABS ohne die Nachteile

ASA (Acrylnitril-Styrol-Acrylat, = wetterfester thermoplastischer Kunststoff) ist die moderne Alternative zu ABS. Gleiche Hitzebeständigkeit, aber besser für Außenanwendungen:

  • Drucktemperatur: 240 – 260 °C
  • Betttemperatur: 90 – 105 °C
  • Hitzebeständigkeit: bis ca. 95 – 100 °C
  • Besonderheit: UV-stabil (ABS vergilbt in der Sonne, ASA nicht)

Wusstest du schon?

ASA vergilbt in der Sonne nicht – das macht es ideal für Outdoor-Sensoren und Kameragehäuse. Gehäuse für Außentemperatursensoren aus weißem ASA behalten ihre Farbe auch nach Jahren im Freien.

TPU – Flexibles Filament für Spezialanwendungen

TPU (Thermoplastisches Polyurethan, = flexibler, gummiartiger Kunststoff) ist elastisch und eignet sich für Dichtungen, Dämpfer und Schutzhüllen:

  • Drucktemperatur: 220 – 235 °C
  • Betttemperatur: 25 – 60 °C
  • Besonderheit: Flexibel bis gummiartig (Shore-Härte 85A–95A je nach Produkt), gute Chemikalienbeständigkeit
  • Schwierigkeit: Braucht Direct-Drive-Extruder – Bowden-Extruder können TPU kaum schieben

Pro-Tipp

TPU brauchst du für Smart-Home-Projekte selten – außer für Dichtungsringe an Sensoren im Außenbereich oder Anti-Rutsch-Pads. Kaufe es erst, wenn du konkret einen Anwendungsfall hast.

Vergleichstabelle: Alle Filamente auf einen Blick

EigenschaftPLAPETGABSASATPU
Drucktemp.195–220 °C230–250 °C240–260 °C240–260 °C220–235 °C
Betttemp.0–60 °C70–90 °C90–110 °C90–105 °C25–60 °C
Max-Einsatztemp.~ 60 °C~ 80–85 °C~ 100 °C~ 100 °C~ 80 °C
UV-BeständigkeitNeinMittelNeinJaMittel
ZähigkeitMittelGutGutGutSehr gut
DruckschwierigkeitSehr einfachEinfachSchwerMittelMittel
Enclosure nötigNeinNeinJaEmpfohlenNein
Preis (1 kg)15–25 €18–28 €18–25 €20–30 €25–40 €
Hinweis: Drucke mit ABS und ASA unbedingt in belüfteten Räumen – beide setzen beim Drucken flüchtige Verbindungen frei. Details dazu im Artikel 3D-Druck Sicherheit.

Unsere Empfehlung: Was du wann kaufst

Shelly-Relais und Schalterdosen-Gehäuse

Nimm PETG(öffnet in neuem Tab) in Weiß oder Grau. Wärmebeständig genug für den Unterputzbereich, schlagfest und einfach zu drucken. Keine Enclosure nötig.

Raspberry Pi und Server-Racks

PETG(öffnet in neuem Tab) oder PLA+. Da Raspberrys aktiv gekühlt werden und in der Regel unter 70 °C bleiben, reicht PLA+ für die meisten Fälle. Wenn der Pi in der Nähe von Heizkörpern steht: PETG.

Zigbee-Sensoren und Temperatursensoren (Innen)

PLA+(öffnet in neuem Tab) reicht hier vollständig. Sensoren im Innenbereich erreichen selten mehr als 30 – 40 °C im Betrieb. PLA+ spart Geld und ist einfacher zu drucken.

Außen-Sensoren (Wetter, Feuchtigkeit, UV)

ASA ist hier die einzige sinnvolle Wahl. UV-stabil, temperaturbeständig bis 100 °C (überlebt auch einen heißen Sommer im Direktsonnenschein) und nicht hygroskopisch.

Wandhalterungen und Kabelkanäle

PLA+(öffnet in neuem Tab) oder PETG nach Budgetlage. Wandhalterungen tragen mechanische Last, aber keine Hitze – PLA+ ist hier ausreichend und günstiger.

Dichtungen und flexible Verbinder

TPU – alternativlos für Flexibilität und Druckbeständigkeit. Kaufe es erst, wenn du einen konkreten Bedarf hast. Nur für Direct-Drive-Drucker geeignet.

Häufig gestellte Fragen

Welches Filament ist für Smart-Home-Gehäuse am besten geeignet?
PETG ist die beste Wahl für Smart-Home-Gehäuse: Es hält Temperaturen bis 80–85 °C aus, ist schlagfest, wasserbeständig und druckt ohne Enclosure. Für Sensoren in kühlen Innenräumen reicht günstigeres PLA+ vollständig aus. ASA nimmst du für Außenanwendungen, da es UV-stabil ist.
Brauche ich einen Trockenschrank für mein Filament?
Für gelegentliches Drucken mit PLA reicht vakuumversiegeltes Lagern (z. B. in Vakuumbeuteln mit Silica-Gel-Päckchen). Wenn du regelmäßig druckst oder feuchteempfindliche Materialien wie PETG, Nylon oder TPU verwendest, lohnt sich ein günstiger Lebensmitteldörrautomat als Trockenschrank (ca. 30–50 €).
Kann ich PLA im Auto lassen?
Nein. PLA beginnt sich bereits bei ca. 60 °C zu verformen – ein Auto in der Sommersonne kann innen über 80 °C erreichen. Für alles, was im Auto oder in der Nähe von Wärmequellen bleibt, nimm PETG (bis 85 °C) oder ASA (bis 100 °C).
PLA+ vs. PETG – was nimmt man für Einsteiger?
PLA+ ist einfacher zu drucken und günstiger, aber nur bis ~60 °C hitzestabil. PETG ist etwas anspruchsvoller (braucht ein beheiztes Bett ab 70 °C), hält dafür bis 85 °C aus. Für dein erstes Filament: PLA+ zum Lernen, PETG für alle Gehäuse, die du langfristig nutzt.
Wie entsorge ich Filamentreste richtig?
PLA ist biologisch abbaubar unter industriellen Kompostbedingungen, gehört aber nicht in die Biotonne – die meisten kommunalen Anlagen verarbeiten PLA nicht. Kunststoffreste aller Art gehören zum Wertstoffhof. ABS- und ASA-Reste niemals verbrennen – die entstehenden Dämpfe (Styrol) sind gesundheitsschädlich.
Was bedeutet die Shore-Härte bei TPU?
Die Shore-Härte beschreibt, wie weich oder hart ein Elastomer ist. Bei TPU findest du Werte zwischen 85A (sehr weich, fast gummiartig – gut für Dichtungen) und 95A (fester, kaum flexibel – eher für Stoßdämpfer). Für Einsteiger ist ein Mittelwert um 90A–92A am einfachsten zu drucken.